Kleine Statue fand große Beachtung

St.-Barbara-Figur war im Vorfeld des Tagebaus Hambach entdeckt worden

Eine acht Zentimeter kleine Figur der heiligen Barbara fand große Beachtung: als "Fund des Monats Dezember" des Landschaftsverbands Rheinland und als Gast der diesjährigen Barbarafeier im Tagebau Hambach. LVR-Archäologin Tünde Kaszab-Olschewski und Rolf Axer von den Heimatfreunden Stadt Kerpen stellten die Statuette den Bergleuten und ihren Gästen vor.

Abbildung 1 – Fund des Monats Dezember 2023, Statuette der hl. Barbara, letztes Viertel 15. Jahrhundert

Die Heiligenfigur war im Februar von einer Mitarbeiterin des Grabungsteams auf dem Gelände von Haus Bochheim und damit im Vorfeld des Tagebaus Hambach entdeckt worden. Der kleinen, rund 500 Jahre alten Statue fehlt der Kopf; kein Wunder, besteht sie doch aus dem brüchigen, weißen Ton, wie er bis heute für die Pfeifen der Weckmänner verwendet wird. Hergestellt wurde die Figur wahrscheinlich in Köln nahe dem heutigen Hauptbahnhof, wo der bisher einzige Brennofen für die Herstellung solcher Figuren gefunden wurde.

Vor allem dank des deutlichen erkennbaren Turms in ihrer linken Hand ist die Figur zweifelsfrei als St. Barbara zu identifizieren. Der Legende nach war die Märtyrerin vom Vater in einem hohen Turm eingesperrt worden, weil der ihre Zuwendung zum christlichen Glauben verhindern wollte. Ihr gelang zunächst die Flucht. Sie fand Unterschlupf bei Bergleuten. Ihr Versteck wurde verraten, und damit war ihr Schicksal besiegelt: Der Vater enthauptete sie. Ihre Standhaftigkeit für den Glauben machte sie zur Legende und später zur Heiligen.

Abbildung 2 – v.l.n.r: 1. Stellv. Bürgermeister Addy Muckes (Kerpen), Spartenleiter Thomas Körber (RWE Power AG, POT), Rolf Axer (Heimatfreunde Kerpen), Willi Stock (RDB), Roger Fabeck (RWE), LVR-Archäologin Tünde Kaszab-Olschewski

Vermutlich stand die Heiligenfigur einst als Objekt der Anbetung auf einem Hausaltar der damaligen, spätgotischen Bochheimer Hofanlage. St. Barbara war im Rheinland immer schon sehr beliebt. Dabei deutete vor 500 Jahren auf der Höhe von Kerpen-Manheim noch nichts auf den Bergbau hin, dessen Schutzheilige Barbara bis heute ist. Doch Barbara war zusätzlich Patronin vieler anderer Berufsgruppen, zum Beispiel der Turmwächter, Baumeister, Glockengießer und Artilleristen.

Zum Brauchtum um die Heilige gehört auch ihr Namenstag, der 4. Dezember - ein Anlass, der besonders im Rheinland den Beginn der Weihnachtszeit markierte. Die Bergleute kommen Anfang Dezember zu ihren traditionellen Barbarafeiern zusammen, so auch im Tagebau Hambach. Das Original der Figur ist aktuell als "Fund des Monats" im LVR-Landesmuseum in Bonn zu sehen. Perfekte Kopien stellten die Archäologen den Heimatfreunden, die die Grabung mitfinanziert hatten, und dem Tagebau Hambach zur Verfügung.

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Quellenhinweis

Text: Redaktion team:news, RWE Power AG, Guido Steffen

Abbildung 1: Postkarte LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland / LVR-Landes Museum Bonn, Foto: J. Vogel

Abbildung 2: Foto RDB